Wissenschaftliche Arbeiten: zulässige Grenzen des Lektorats

Spätestens seit den Plagiatsvorwürfen gegen von Guttenberg und andere sind zahlreiche Absolventen und Doktoranden verunsichert, ob ein Lektorat ihrer Arbeiten durch Dritte (Freunde, Kommilitonen oder Professionelle) legal und zulässig ist. Die Antwort lautet klar: Ja, das ist es – aber dem Lektorat sind dabei Grenzen gesetzt.

In Promotionsordnungen und anderen Regelwerken der Hochschulen findet man dazu nichts. Verlangt wird nur, dass der Autor seine Arbeit „selbständig verfasst“, ausschließlich „die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt“ und „wörtlich oder inhaltlich übernommene Stellen als solche kennzeichnet“. Mit wissenschaftlichen Abschlussarbeiten sollen das Vermögen zu selbständigem wissenschaftlichen Arbeiten und die Fähigkeiten im eigenen Fachgebiet nachgewiesen werden – auch das ist dort nachzulesen. Sie sind nicht dazu da, einen Eindruck zu vermitteln, wie ausgeprägt die orthographischen Kenntnisse und die stilistische Ausdrucksfähigkeit eines Akademikers sind. Gleichzeitig sollten Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen aber fehlerfrei und mühelos zu lesen sein. Eigenständiges Arbeiten bedeutet letztendlich auch, selbst entscheiden zu können, was in der eigenen wissenschaftlichen Verantwortung liegt und was über die eigenen Kompetenzen hinausgeht.

Wo liegen nun die Grenzen? Reine Korrekturen von Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion und Satzbau sind unbestritten erlaubt, ebenso wie stilistische Verbesserungen. Auch Zitate, Fußnoten und Verzeichnisse sollten unbedingt von einem Dritten überprüft werden. Ein wissenschaftliches Lektorat betrachtet aber auch inhaltlich-strukturelle Aspekte wie Problemorientierung, Argumentationsverlauf, Stringenz, Sinnstruktur und Schlüssigkeit. Der Lektor darf dabei nicht inhaltlich in die Arbeit eingreifen, darf keine eigenen Gedanken ausformulieren oder die Struktur verändern. Sprich: Er darf nicht eigenmächtig in die Arbeit eingreifen – denn dann wäre die Grenze eigenständigen wissenschaftlichen Arbeitens überschritten.

Aber er darf Anregungen und Denkanstöße geben, er darf auf Ungereimtheiten, Wiedersprüche, Denkfehler und Lücken im Argumentationsverlauf hinweisen, er darf Fragen stellen und seine Meinung äußern. Der Verfasser der Arbeit muss selbst entscheiden, auf welche der Anregungen er auf welche Weise eingeht und welche er ignoriert. Letztendlich ist die Auseinandersetzung mit Kritik wichtig und gehört zu wissenschaftlichem Arbeiten dazu – ganz gleich, ob es sich um Kritik von Dozenten, Kommilitonen, Fachfremden oder professionellen Lektoren handelt.

Viele Dozenten empfehlen ausdrücklich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – ein Lektorat erspart auch ihnen Ärger und Arbeit. Es stellt sicher, dass die Gedanken des Verfassers auch wirklich klar und deutlich beim Leser ankommen – und kann die Bewertung der Abschlussarbeit merklich anheben.

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– anm –