Die Herbst-Buchtipps aus meinem Lektorat

Ruth Kamm: Leben im Grenzgebiet – Meine Jugend in Oberschlesien

Paperback, 108 Seiten, Books on Demand, September 2016, ISBN: 978-3-7412-8425-0, Preis: 7,99 €

Das Buch: Das Buch gibt Einblicke in den Alltag auf der deutschen wie polnischen Seite Oberschlesiens in den 1920er Jahren bis 1945. Die Autorin dokumentiert als Zeitzeugin mit Szenen aus ihrer Lebensgeschichte die Auswirkungen des Nationalsozialismus und des Krieges in diesem Grenzgebiet. Mehrmals wechselte die Familie dabei den Wohnort. Nach dem Krieg verhängte die amerikanische Kulturbehörde in Stuttgart gegen Ruth Kamm, die in Oberschlesien zum Eintritt in den BDM gezwungen worden war, aus politischen Gründen erst einmal Berufsverbot als Sängerin.
In dem Buch geht es auch um die Frage nach Heimat. Die Autorin bezieht klare Positionen gegen Krieg, gegen die Vergeudung von Umweltressourcen und formuliert politische und ethische Botschaften.

Die Autorin: Ruth Kamm wurde 1924 in Niedobczyce in polnisch Oberschlesien geboren. Sie verbrachte ihre Jugend zeitweise rechts, zeitweise links der Oder. Ihr Leben war stets der Musik gewidmet. 1945 flüchtete sie vor dem Kriegsgeschehen nach Schorndorf. 1951 heiratete sie den SPD-Politiker Bertold Kamm, der von 1978 bis 1986 als Vizepräsident des Bayerischen Landtags und 20 Jahre lang von Nürnberg aus als Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Bayern wirkte.

Rodolfo Baldassarri: Unendlich

Paperback, 432 Seiten, Books on Demand, August 2016, ISBN: 978-3-7412-8577-6, Preis: € 13,99 (D) / € 14,99 (A)

Das Buch: Valerio ist auf der Suche nach einem tieferen Sinn des Lebens. Immer wieder geht es ums Abschiednehmen, um Neubeginn, um Hoffnung. In Viola glaubt er die Erfüllung gefunden zu haben – aber weshalb funktioniert diese Beziehung nicht? Sein Familiengeheimnis führt ihn zurück ins 13. Jahrhundert, als Roberto, ein persönlicher Freund des Stauferkönigs Friedrich II., mitten in den Wirren der Kreuzzüge ebenfalls nach der wahren Liebe sucht. Nach unendlichem Auf und Ab seiner Gefühle kommt Valerio zu dem Schluss, dass der Weg an sich das Ziel ist, der keinen Anfang und kein Ende hat.
Tiefsinnig und wortmalerisch erzählt Rodolfo Baldassarri von der Schönheit der Landschaften: die sanften Hügel der Toskana oder die malerische Küste von Amalfi. Dabei purzeln auf überraschende Weise die Jahre und Jahrhunderte durcheinander. Das Buch ist eine Hommage an die Liebe und an das Leben selbst. „Unendlich“ ist nach „Am Ufer des Meeres“ der zweite Roman der Trilogie „Das rote Band des Schicksals“.

Der Autor: Rodolfo Baldassarri wurde am 16. April 1966 in Nettuno (Rom) geboren und ist am Meer von Tor San Lorenzo aufgewachsen. Nach seinem Diplom in Politikwissenschaften der Universität in Rom begann er als Pressesprecher im politischen Bereich seine Karriere als Journalist und Publizist. Seine Deutschkenntnisse führten ihn immer wieder beruflich nach Deutschland und schon damals faszinierte ihn Kufstein, wo er immer einen Halt einlegte. Nachdem er mehrere Aufsätze, Sammlungen und Gedichte veröffentlicht hatte, gewann er im Jahr 1990 den Indro Montanelli gewidmeten Lyrikwettbewerb. Im Jahr 2000 endlich zog er nach Kufstein in Tirol, Österreich. Hier, zwischen Wäldern, Flüssen, Bergseen und Schnee, fand er den perfekten Ort zum Schreiben.

Wolfgang Mayer: Gehetzte Journalisten – Begegnungen im Dauerlauf

Paperback / Hardcover, 168 Seiten, Tredition, Mai 2016, ISBN: 978-3-7345-2901-6 (Paperback, 12,99 €) / ISBN: 978-3-7345-2902-3 (Hardcover, 19,99 €)

Das Buch: Ständige Zeitnot, beschränkte Möglichkeiten der Recherche, eine Entscheidung nach der anderen und jede Menge Zwänge – so beschreibt Wolf-gang Mayer den journalistischen Berufsalltag. Dieses autobiografische Sachbuch liefert Einblicke in die sich verändernden Arbeitsbedingungen von Journalisten und räumt mit falschen Vorstellungen von Journalismus auf. Damit ist es hochaktuell.
Das Buch gibt auf unterhaltsame Weise Erlebnisse aus 30 Jahren Berufserfahrung wieder. Der Autor erlebte, wie in Prag Tausende DDR-Bürger auf die Ausreise in den Westen warteten. Er wurde in Palästina von einem Panzer gejagt, war Morddrohungen ausgesetzt und musste nach Indien reisen, um von einem Personalabbau in Erlangen zu erfahren. Er traf den Bruder des letzten Kaisers von China, EU-Kommissare, Wolfgang Schäuble und Zimbabwes Staatschef Mugabe.

Der Autor: Wolfgang Mayer, Jahrgang 1950, studierte Geschichte und Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Von 1977 bis 2011 war der Autor als Redakteur bei den „Nürnberger Nachrichten“ beschäftigt und dort seit 1987 stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft. Über seinen „Brötchenjob“ hinaus ergaben sich für ihn als Gewerkschaftsvertreter der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union im Vorstand der Europäischen Journalisten-Föderation und der Internationalen Journalisten-Föderation immer wieder exklusive Kontakte und Erlebnisse. Zehn Jahre lang gehörte Wolfgang Mayer dem Deutschen Presserat an. Hinzu kommt eine umfangreiche publizistische Tätigkeit.

– anm –

Lesetipps

Drei Bücher – aus drei Genres – empfehle ich, die durch mein Lektorat gegangen und in diesem Frühjahr frisch erschienen sind:
Miriam Malik: Mord im Green Park, Krimi, Taschenbuch und E-Book, 264 Seiten, Books on Demand, März 2016
Marvin Roth: Das Papstdekret, Thriller, Klappenbroschur und E-Book, 384 Seiten, Spica Verlag, Februar 2016
Hilde Horváth: High Heels, erotische Kurzgeschichten, Klappenbroschur und E-Book, 200 Seiten, Spica Verlag, Januar 2016

Miriam Malik: Mord im Green Park

Inhalt: Der Mord an einem Cambridge-Studenten im Green Park versetzt ganz London in Aufregung. Wurde der Sohn eines Staranwalts von einer seiner zahlreichen Ex-Freundinnen ermordet? Oder ist er dem Parkmörder zum Opfer gefallen, der im Vorjahr mehrere Männer in verschiedenen Londoner Parks erstochen hat? Ex-Soldat und Privatdetektiv Mike Martin hilft seinem Freund Tom Sawler von Scotland Yard bei den Ermittlungen. ieberhaft versuchen die beiden, den Mörder zu finden, bevor ein weiteres Verbrechen geschieht – und kämpfen dabei gegen einen Sumpf aus Korruption und Vertuschung, der bis in die höchsten Kreise Londons reicht. Als Mike die hübsche Melanie im Hyde Park vor einem Übergriff bewahrt, gerät sein Leben völlig aus den Fugen. Denn mit ihrem Vater ist nicht zu spaßen …

Autoreninfo: Miriam Malik, geboren 1984 in Essen, hat Islamwissenschaften studiert und arbeitet seit 2011 in der IT-Branche. Zusammen mit ihrem Ehemann lebt sie heute in der Metropolregion Nürnberg. Ihre Spezialität sind satirische Kurzgeschichten. „Mord im Green Park“ ist ihr Romandebüt.

Ein durchwegs spannender Krimi, der den Leser von Tatort zu Tatort durch die nächtlichen Parks Londons streifen, vor den Machenschaften der Londoner Upper-Class erschaudern und über das Konkurrenzverhalten der Ermittler den Kopf schütteln lässt. Das Buch erfüllt alles, was ich mir von einem London-Krimi erwarte! Mehr noch: Miriam Malik versteht in ihrem Debütroman so perfekt in die Irre zu leiten, dass die Auflösung des Krimis bis zum Schluss nicht durchschaubar ist. Wer den Täter am Ende kennt und darüber staunt, braucht nicht zu bedauern, dass der Krimi schon aus ist – für ihn hat die Autorin eine originelle Idee umgesetzt: Auf ihrer Website steht ein Zusatzkapitel bereit, die Geschichte aus Sicht einer Nebenfigur. Und auch die ist richtig gut und hält weitere Überraschungen bereit.
Hier geht’s zu „Mord im Green Park“ auf der Website von Miriam Malik.

Marvin Roth: Das Papstdekret

Inhalt: „Nimm eine und tue es!“, steht in großen Lettern auf den Kisten, die frei zugänglich auf dem Times Square herumstehen. Sofort bekriegen sich zwei Streetgangs um den Inhalt: Waffen! Mit dieser Provokation läuten Islamisten den Straßenterror in New York ein. Es folgt ein Anschlag auf den US-Präsidenten. Auch die Vatikanstadt wird von Anschlägen heimgesucht: Der Nachfolger Osama bin Ladens will die christliche Welt zerstören. Doch damit nicht genug! Der Papst riskiert seinerseits, den Weltfrieden zu gefährden: Er ruft zum Heiligen Krieg gegen den Islam auf – und wird bald darauf entführt …

Autoreninfo: Marvin Roth, in der Nähe Frankfurts geboren, lebte von 2001 bis 2011 in den USA. Gemeinsam mit seiner Frau führte er eine internationale Maklerfirma, mit Büros in allen wichtigen Städten Floridas. Durch ihren Beruf begegneten dem Ehepaar Roth viele Menschen und jeder von ihnen hatte seine eigene Geschichte. Jede Stadt, jedes Dorf, wie jede Landschaft, welche die Roths bereisten, ergänzten die Geschichten und formten sich zu einem Gesamtbild. Aus diesen über die Jahre erworbenen Erfahrungen schöpft Marvin Roth die Grundessenz seiner Erzählungen.

Aktuell wie nie malt der Thriller nicht nur den Horror islamistischen Terrors, sondern warnt vor Extremismus, religiösem Fanatismus und Machtgier – auch auf christlicher Seite. Er zeigt auf, wie schnell die Welt aus ihrem Gleichgewicht geraten kann, und verspricht Spannung von der ersten bis zur letzten Seite! Marvin Roth entspinnt die Handlung in solch einer Dichte und Geschwindigkeit, dass einem schlicht der Atem wegbleibt. Geschickt verwebt und verknotet er mehrere Handlungsstränge und springt an den spannendsten Stellen zum nächsten weiter. „Das Papstdekret“ ist der dritte Thriller mit dem FBI-Agenten Hank Berson – und ich freue mich schon auf den vierten!
„Das Papstdekret“ bei Amazon

Hilde Horváth: High Heels

Inhalt: „Der Kellner bringt ihnen das Essen, es ist köstlich, schmeckt hervorragend. Sie genießen es sehr, aber mehr Genuss sind seine Augen, seine Gesten. Alles an ihm sagt ihr, dass es noch sehr heiß wird an diesem Abend.“
In neunundsiebzig kurzen Geschichten voller Erotik und Leidenschaft finden Paare aus der Routine, finden Fremde für prickelnde Stunden zusammen, finden wieder andere in Lustfantasien allein oder auch mal zu dritt die ­Erfüllung. Ob zu Hause, am Strand oder im Wald, im ­Whirlpool, im Bus oder beim Einkaufen; ob Nylons, High Heels oder scharfe Erdbeeren das Feuer entfachen – oft folgt dem Höhepunkt ein humorvolles Augenzwinkern.

Autoreninfo: Als Schweizerin mit italienischen Wurzeln wurde Hilde Horvàth an einem Sonntag geboren – bei vier Geschwistern war das Sonntagskind aber schnell mal vergessen. Sie hämmerte lieber die Nägel des Vaters ins Dachgebälk, als für die Schule zu lernen. Während der Vater wohl noch immer seine Nägel suchte, heiratete Hilde Horvàth ihre große Liebe aus Ungarn. Das Eheleben war mit gegenseitigem Vertrauen verbunden, aber auch mit Arbeit. Als die zwei gemeinsamen Kinder aus dem Haus waren, begann die Zeit der Zweisamkeit, der Genuss des Lebens – bis das Schicksal hart zuschlug: Durch einen Unfall wurde Hilde Horvàths Mann zu einem Pflegefall. Später verlor sie den Sohn und dann auch ihren Mann. Ihre Tochter wanderte mit Familie in die USA aus. In der Zeit, als ihre Welt in Trümmern lag, begann Hilde Horvàth erotische Geschichten zu schreiben. Und so trägt ihr drittes „Baby“ einen ausgefallenen ­Namen, den ihrer Lieblingsschuhe: High Heels.

Die Geschichten in „High Heels“ vereinen außergewöhnliche erotische Phantasien mit Alltagserotik. Eigentlich sind es pornographische Geschichten. Pornographische Geschichten aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen, mit den unterschiedlichsten Figuren. Das Ungewöhnliche an diesen Geschichten: Dem erotischen Höhepunkt folgt oft eine humorvolle Wendung als Pointe. Dass Pornographie und Humor so gut vereinbar sind, hätte ich nicht gedacht! Aber Hilde Horvàth schafft das. Und genau das hebt die knisternd leichten, kurzen Geschichten aus der reinen Pornographie heraus und macht sie einmalig – zum Schmunzeln!
„High Heels“ bei Amazon

– anm –

Ein blauer Elefant feiert internationale Tage

UN-Welttage wie der Tag der Pressefreiheit oder der Tag der Menschenrechte erhalten in den Medien viel Aufmerksamkeit – zu Recht! Andere internationale Tage gehen daneben völlig unter. Von den unterschiedlichsten Institutionen ins Leben gerufen, sind kuriose Themen darunter.

In der Serie „Der Elefant von Parma und sein Welttage-Kalender“ widme ich mich gemeinsam mit einem blauen Elefanten solchen internationalen Tagen. Der Elefant von Parma ist eine Figur, die sich – auch in pädagogischen Materialien – mit Themen wie Konfliktelösen, Bedürfnisse, Gefühle, Wahrnehmung und Wertschätzung befasst. Und seit heute eben auch mit internationalen Tagen. Heute ist der Tag der Tiefkühlkost! Die Beiträge der Serie finden Sie auf der Website des Elefanten von Parma .

– anm –

Die Suchmaschinen sind schuld

Auf Vorschlag der UNESCO hat die UN den 21. Februar seit dem Jahr 2000 zum internationalen Tag der Muttersprache erklärt. Von 6.000 lebendigen Sprachen ist nämlich ungefähr die Hälfte vom Aussterben bedroht. Unsere Sprache ist nicht vom Aussterben bedroht. Aber die scheint gerade einen enormen Veränderungsschub durchzumachen. Und die Suchmaschinen sind schuld.

Wortzusammensetzungen schreien vor Schmerz

Wer eine Website hat, die gefunden werden soll, darf keine Wörter wie Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän verwenden. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach der „Donau“, nach „Dampfschifffahrt“ oder nach „Kapitän“ sucht, ist wesentlich höher, und Google und Co. filtern aus „Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän“ das Wort „Donau“ nicht raus. Eine Website, die erklärt, was es mit dem Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän auf sich hat, sollte also lieber die einzelnen Bestandteile solcher Komposita getrennt als Keywords (Suchbegriffe) behandeln und ein paarmal im Text und in den Überschriften verwenden. So funktioniert suchmaschinenoptimiertes Schreiben, auf Rechtschreibung kann da keine Rücksicht genommen werden. Und deshalb wird online aus dem Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän der „Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschafts-Kapitän“. Dagegen ist nicht viel einzuwenden. Falsch ist aber eine Getrenntschreibung solcher Komposita ohne Bindestriche. Das tut ihnen weh, sie schreien vor Schmerz.

Wäre die Geschäftssprache des Google-Konzerns deutsch, wäre Suchmaschinenoptimierung einfacher. Dann hätte Google einen Algorythmus eingebaut, der das Wort „Donau“ in „Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän“ herausfiltern und als Keyword erkennen würde. Wir leben aber in einer englischsprachig dominierten Welt, und deshalb sprechen wir ja auch von Keywords und nicht von Schlüsselwörtern – höchstens von Schlüsselerlebnissen, aber das ist etwas anderes. Auf englisch bildet man Substantive, indem man einfach Wörter aneinanderreiht: Danube steamboat shipping company.

Leider sieht man immer mehr deutsche Komposita wie im Englischen auseinandergeschrieben. Und da das Internet eine Welt ist, in der wir uns ständig bewegen, die uns vertraut scheint und aus der wir unsere Informationen heraussaugen, übernehmen wir Dinge aus dem Netz, die uns dort alltäglich begegnen. Man reißt Substantive also auseinander und raubt ihnen den Sinn und hält das für richtig.

Aber nicht nur Substantive, sondern auch Verben werden gern auseinandergerissen: Auseinanderreißen ist ein vollwertiges Verb, es heißt nicht „außeinander reißen“. Nein, man schreibt es zusammen: Zusammenschreiben sollte man solche Worte; zusammen schreiben kann man nur gemeinsam mit jemand anderem. Der Sinn verändert sich oder geht verloren, wenn man solche Verben auseinanderreißt. Nachhaltig Verwirrung gestiftet haben hier sicherlich die Rechtschreibreformen, die längst als Verirrung ihre Gültigkeit verloren haben.

Moderne Kommunikation will es möglichst einfach haben

Die Smartphone-Tastatur und die Spracherkennung machen uns die Sache mit der Rechtschreibung nicht leicht – vor allem die Groß- und Kleinschreibung (nicht: „groß und klein schreibung“). SMS, WhatsApp, Facebook, Twitter etc. dienen der schnellen Kommunikation. Da wird kein Wert auf Korrektheit gelegt. Da wird nicht mehr als unseriös empfunden, wer sich mit der Rechtschreibung schwertut oder gleich alle Regeln außer Kraft setzt. Da ist das normal. Und so nehmen wir schlechte Angewohnheiten aus dem Netz auch in unser Offline-Leben mit rüber, sowohl in das private als auch ins geschäftliche. Ich bekomme immer häufiger E-Mails, in denen Großbuchstaben nur noch als Hervorhebung verwendet werden. Ich empfinde das als unseriös.

Das Schlimme ist: Auch Berufe, die vom Schreiben leben, übernehmen falsche Schreibgewohnheiten. Für Online-Journalisten gilt natürlich dasselbe wie für Blogger oder Onlineshop-Betreiber: Ihre Beiträge werden nur gefunden, wenn sie suchmaschinenoptimiert sind. Das führt zu hässlichen Headlines, in denen Wortzusammensetzungen mit Bindestrichen durchgekoppelt werden oder durch lose, sinnbefreite Aneinanderreihungen einzelner Substantive ersetzt werden.

Das Internet sei ein verbindendes Medium, sagt man ihm nach, es rücke die Welt zusammen. Für die deutsche Sprache gilt das nicht. Die reißt es auseinander – auf Wortebene.

– anm –

Wissenschaftliche Arbeiten: zulässige Grenzen des Lektorats

Spätestens seit den Plagiatsvorwürfen gegen von Guttenberg und andere sind zahlreiche Absolventen und Doktoranden verunsichert, ob ein Lektorat ihrer Arbeiten durch Dritte (Freunde, Kommilitonen oder Professionelle) legal und zulässig ist. Die Antwort lautet klar: Ja, das ist es – aber dem Lektorat sind dabei Grenzen gesetzt.

In Promotionsordnungen und anderen Regelwerken der Hochschulen findet man dazu nichts. Verlangt wird nur, dass der Autor seine Arbeit „selbständig verfasst“, ausschließlich „die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt“ und „wörtlich oder inhaltlich übernommene Stellen als solche kennzeichnet“. Mit wissenschaftlichen Abschlussarbeiten sollen das Vermögen zu selbständigem wissenschaftlichen Arbeiten und die Fähigkeiten im eigenen Fachgebiet nachgewiesen werden – auch das ist dort nachzulesen. Sie sind nicht dazu da, einen Eindruck zu vermitteln, wie ausgeprägt die orthographischen Kenntnisse und die stilistische Ausdrucksfähigkeit eines Akademikers sind. Gleichzeitig sollten Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen aber fehlerfrei und mühelos zu lesen sein. Eigenständiges Arbeiten bedeutet letztendlich auch, selbst entscheiden zu können, was in der eigenen wissenschaftlichen Verantwortung liegt und was über die eigenen Kompetenzen hinausgeht.

Wo liegen nun die Grenzen? Reine Korrekturen von Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion und Satzbau sind unbestritten erlaubt, ebenso wie stilistische Verbesserungen. Auch Zitate, Fußnoten und Verzeichnisse sollten unbedingt von einem Dritten überprüft werden. Ein wissenschaftliches Lektorat betrachtet aber auch inhaltlich-strukturelle Aspekte wie Problemorientierung, Argumentationsverlauf, Stringenz, Sinnstruktur und Schlüssigkeit. Der Lektor darf dabei nicht inhaltlich in die Arbeit eingreifen, darf keine eigenen Gedanken ausformulieren oder die Struktur verändern. Sprich: Er darf nicht eigenmächtig in die Arbeit eingreifen – denn dann wäre die Grenze eigenständigen wissenschaftlichen Arbeitens überschritten.

Aber er darf Anregungen und Denkanstöße geben, er darf auf Ungereimtheiten, Wiedersprüche, Denkfehler und Lücken im Argumentationsverlauf hinweisen, er darf Fragen stellen und seine Meinung äußern. Der Verfasser der Arbeit muss selbst entscheiden, auf welche der Anregungen er auf welche Weise eingeht und welche er ignoriert. Letztendlich ist die Auseinandersetzung mit Kritik wichtig und gehört zu wissenschaftlichem Arbeiten dazu – ganz gleich, ob es sich um Kritik von Dozenten, Kommilitonen, Fachfremden oder professionellen Lektoren handelt.

Viele Dozenten empfehlen ausdrücklich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – ein Lektorat erspart auch ihnen Ärger und Arbeit. Es stellt sicher, dass die Gedanken des Verfassers auch wirklich klar und deutlich beim Leser ankommen – und kann die Bewertung der Abschlussarbeit merklich anheben.

Einen Überblick über meine Angebote und Preise finden Sie hier als pdf zum Download.

– anm –

Ausstellung „Nürnberg und der Orient“ im Museum Tucherschloss

Aufgrund sehr guter Publikumsresonanz wird die Sonderausstellung „Nürnberg und der Orient“, integriert in die Dauerausstellung des Museums Tucherschloss und Hirsvogelsaal in Nürnberg, bis 10. Januar 2016 verlängert.

Die Ausstellung beleuchtet die vielfältigen Beziehungen zwischen Nürnberg und dem Morgenland in der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Sie zeigt die vielseitigen Einflüsse aus der arabischen Welt, die sich als Erbe in Europa niederschlugen. Der Fokus liegt auf der Rolle, die dabei Nürnberger Bürger spielten.

Nürnberger Händler wie Hans VI. Tucher waren es, die „exotische“ Waren aus dem Orient nördlich der Alpen verbreiteten – Gewürze, Kaffee, Weihrauch und edle Stoffe. Die Reichsstadt Nürnberg hätte im frühen Mittelalter ohne die Impulse aus der arabischen Welt nicht die dominierende wirtschaftliche Rolle spielen können, die sie hatte. Mit den Handelswaren erreichten das Abendland auch Erfindungen und Wissen aus dem Orient und schufen die Basis für wissenschaftliche Weiterentwicklung. Eine „Orientbegeisterung“ machte sich breit. Die Schwerpunkte der Ausstellung liegen beim Thema Handel und bei dem Wissen, das Europa aus dem Orient und durch Vermittlung der Araber als Erbe bezog.

Der Besucher wird auf bekannte und weniger bekannte Nürnberger stoßen, die einen Bezug zum Orient hatten oder ihr Wissen und Wirken auf den Erkenntnissen arabischer Gelehrter aufbauten. Überraschen werden in diesem Kontext Namen wie Albrecht Dürer, Martin Behaim, der berühmte Chronist Hartmut Schedel, der Papiermühlenfabrikant Ulmann Stromer, der Meistersinger Hans Rosenplüt und andere.

Auch in die Gegenwart wird der Bogen gespannt: zu Unternehmen aus der Metropolregion Nürnberg, für die arabische Länder einen wichtigen Absatzmarkt oder Produktionsort darstellen, genauso wie zum Thema Migration und Zusammenlaben in Franken.

Im Auftrag des Vereins Arabisches Museum Nürnberg e.V. habe ich die Ausstellung konzeptionell weiterentwickelt und realisiert.

Die Ausstellung, ein Kooperationsprojekt der Museen der Stadt Nürnberg und des Vereins Arabisches Museum Nürnberg e.V., ist seit 12. September 2015 zu sehen und wurde mit einem zweitägigen „Fest der Begegnung“ im Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal eröffnet.

Hier geht’s zum Ausstellungsort, Führungen sind auf Anfrage möglich.

– anm –

Atalaya – Ausverkauf einer Insel

Druckfrisch ist der Mallorca-Roman „Atalaya – Ausverkauf einer Insel“ von Johanna Rosenwald endlich zu haben: Als 400-seitige Klappenbroschur beim Spica Verlag, für den ich das Lektorat des Werkes übernommen habe.

Inhalt

Paradiesische Buchten, unberührte Natur und unbegrenzte bauliche Möglichkeiten – das ist das Mallorca, auf dem der Unternehmer Michael Prinz sein Glück sucht. Zur Seite stehen ihm der Immobilienmakler Roemer, eine Baufirma, die seine Visionen umsetzt, und die neue Lebensgefährtin, die seinem Privatleben Glanz verleiht. Aber nicht alles auf der Insel ist so einfach, wie es aussieht. Während die Buchten an eine bunte Völkerschar aus Nordeuropa verkauft werden, errichtet Prinz sein Imperium, stets den Berg Atalaya im Auge, als Krönung seiner Visionen. Geschickt laviert er zwischen den Auseinandersetzungen im Baugewerbe und dem allgegenwärtigen Betrug im Immobilienhandel – und dennoch gerät er in ein Netz von Intrigen und mafiösen Machenschaften, das sich langsam um ihn herum zuzuziehen droht. Alles, einschließlich Prinz‘ Privatleben, gerät ins Wanken – und auch die Insel hat sich mit den Jahren verändert.

ISBN 978-3-943168-87-7 | 14,90 € (D)
Spica Verlag

– anm –

Liebe Besucher,

meine Website ist gerade erst geboren. Ich werde sie hüten und pflegen und ihr das Sprechen und das Laufen beibringen. Mindestens. Vor allem das Sprechen.

In den vergangenen Jahren habe ich ausreichend umfassende Berufserfahrung gesammelt, um mich endlich selbständig zu machen: Lektorat, Kulturarbeit, PR und Publizistik – das sind Tätigkeitsfelder, die klar voneinander abgegrenzt werden können, aber auch stark ineinandergreifen. Das hängt ganz von den Wünschen und Bedürfnissen meiner Kunden ab. Meine Angebote richten sich an Kulturinstitutionen und Verbände, aber auch an Unternehmen, Verlage und Privatpersonen.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr zu meinen Leistungen, Themen, Referenzen und Hintergründen. Wenn noch Fragen offen sind, beantworte ich sie gerne auch persönlich. Rufen Sie mich doch einfach an!

– anm –